Ist das Social Mediaverbot Sinnvoll?
Sicherlich haben wir alle mitbekommen, dass Australien gerade ein landesweites Social-Media-Verbot für alle unter 16 Jahren ausgesprochen hat. Was dazu geführt hat, dass Millionen von Accounts gelöscht wurden. In diesem Beitrag möchte ich zum einen die rein wissenschaftlichen Argumente für und gegen ein Verbot beleuchten und in diesem Beitrag auch im letzten Abschnitt im vollen Umfang meine eigene Meinung dazu äußern.
Argumente für ein Verbot
1️⃣ Schutz der psychischen Gesundheit
Es gibt einige Studien, die zeigen, dass es Zusammenhänge zwischen der exzessiven Nutzung von Social Media und Depressionssymptomen, Angststörungen und einem geringen Selbstwertgefühl gibt. Das Ganze kommt daher, dass hier ein ständiger sozialer Vergleich stattfindet, genauso wie körperliche Idealbilder präsentiert werden. Likes und Kommentare werden als Messinstrument genutzt. Das Ganze sorgt dafür, dass das Belohnungssystem stark stimuliert wird, und Kinder sowie Jugendliche sind besonders anfällig für die Dopaminreize, welche dabei ausgesendet werden.
2️⃣ Schutz vor Suchtmechanismen
Das große Problem ist, dass diese Plattformen nahezu alles tun, um die Leute zu binden, und aus diesem Grund sehr viele Mechaniken nutzen, um die Leute möglichst lange zu binden. Problem dabei ist, dass Kinder und Jugendliche sehr stark dopaminsensibel sind und auf der anderen Seite ihr Gehirn auch noch nicht vollständig ausgebildet ist, welches für die Steuerung verantwortlich ist, also der präfrontale Kortex. Dieser ist erst ab 25 völlig ausgebildet. Das führt dazu, dass die Impulskontrolle noch in der Entwicklung ist und das Risiko für problematische Nutzung steigt. Was dann natürlich dazu führt, dass dieses Wissen von den Betreibern ausgenutzt wird.
3️⃣ Schutz vor Cybermobbing & sozialem Druck
Digitale Räume sind ein gigantisches Spektrum. Das Ganze geht so weit, dass man nicht mehr abschalten kann. Gruppendruck, Angriffe und Bloßstellungen können dort zu einem festen Thema werden, und durch die Dauerverfügbarkeit von Konflikten ist es unmöglich, zur Ruhe zu kommen. Ein Verbot würde natürlich dafür sorgen, dass diese Ruhe zwanghaft eintreten würde und sie diesen ganzen Faktoren für einen gewissen Zeitraum nicht mehr ausgesetzt wären.
4️⃣ Konzentration & Leistungsfähigkeit
Neben dem, dass das Dopamin nach dem Medium schreit, führt es auch dazu, dass eine Tiefenkonzentration ein echtes Problem werden kann, da diese stark reduziert wird. Durch ständiges Klingeln, Vibrieren oder Pushupbenachrichtigungen wird die Aufmerksamkeit immer auf das Gerät gezogen. So kann es nämlich dazu kommen, dass Hausaufgaben, die eine Stunde dauern würden, plus eine Stunde Lernen, sich plötzlich auf fünf statt zwei Stunden erstrecken würden und das auch noch ohne ein vorhersehbares Ergebnis.
🔴 2. Argumente GEGEN ein Verbot
1️⃣ Entwicklungspsychologischer Aspekt
Auf der anderen Seite würde ein Verbot auch eine wichtige Entwicklungsstufe des jungen Menschen nehmen. Sie würden nicht lernen, mit den Medien selbst umzugehen, die Risiken einzuschätzen, welchen sie ausgesetzt sind, und die Selbstregulation könnte sich nicht entwickeln. Durch ein vollständiges Verbot würde es damit also zu einer Verhinderung des Kompetenzaufbaus und der eigenständigen Auseinandersetzung kommen. Dazu später mehr in meiner eigenen Meinung.
2️⃣ Soziale Zugehörigkeit
Social Media ist für die Jugendlichen nicht mehr nur eine reine Unterhaltung, welche die Freizeit bereichert. Sie ist zum Teil der primäre Kommunikationsweg, wird dafür genutzt, um eine soziale Identität zu bilden und eine Zugehörigkeit zu finden. Ein Verbot, gerade wenn es radikal erfolgt, könnte dazu führen, dass eine soziale Isolation stattfindet, man aus seinen Peergroups geschmissen wird und der Reiz des Verbotenen sehr verstärkt wird.
3️⃣ Realitätsferne Regulierung
In der Regel sind komplette Verbote schwer durchsetzbar. Klar, es gibt eine von der Regierung beauftragte Zwangsregelung, dass alle Accounts gelöscht werden müssen. Doch wie sieht das Ganze in der Realität aus? Dazu lohnt es sich einmal, den folgenden Erfahrungsbericht eines Lehrers aus Australien zu lesen: Social Media Verbot in Australien: „Viele Jugendliche machen sich über die Altersgrenze lustig“. In der Regel führen viele Verbote dazu, dass die Betroffenen nach Umgehungsstrategien suchen und die Nutzung in intransparente Räume verschieben. Hier ein Beispiel, was gerade sehr aktuell passt: Discord ist eine Plattform, welche ausschließlich für Gamer entwickelt wurde, bei der man mit anderen schreiben und reden kann. Auch hier soll es jetzt zu einer Verifizierung kommen, weshalb man diese Ideen in den Raum stellen kann. Aber was wäre, wenn dem nicht so wäre? Kinder und Jugendliche würden auf eine Plattform ausweichen, bei der auch Inhalte geteilt werden, die von Insta und Co gesperrt werden, hier aber nicht. Oder nehmen wir YouTube: Hierbei handelt es sich um eine Suchmaschine, aber trotzdem können dort ohne Anmeldung weiterhin die Sachen geschaut und geteilt werden.
4️⃣ Positive Effekte von Social Media
Wie es so üblich ist, wird immer nur eine Seite beleuchtet, aber Social Media hat auch sehr viele Vorteile. Zum einen können sich so sehr gut eigene Communitys bilden, was auch dazu führt, dass sie so ihre Identität besser finden können. Des Weiteren haben sie auch einen guten Zugang zu Informationen und einer kreativen Selbstdarstellung.
🧠 3. Meine Meinung dazu
Ist ein Verbot aus meiner Sicht sinnvoll?
Ich halte ein Verbot nicht für wirklich sinnvoll. Zum einen sorgt es, wie oben erwähnt, dafür, dass sich die Betroffenen andere Strategien aneignen, um trotzdem Social Media zu nutzen, und zum anderen ist ein Verbot eine recht einfache Sache, die schnell geht und auf den ersten Blick recht effektiv scheint. Allerdings reden wir hier von einem sehr, sehr jungen Problem, das gerade mal zwei, wenn es ganz hoch kommt drei Jahrzehnte besteht. Hier würde ich als Erstes einmal daran appellieren, dass genau wie in der Sexualkunde schon frühzeitig Aufklärung betrieben wird. Was sind die Vor- und Nachteile, warum ist eine gemäßigte Nutzung wichtig? Wie kann man das am besten rüberbringen?
Von Stationär zu mobil
Als ich jung war, waren gefühlt alle bei Schüler VZ, ICQ und wenige bei Facebook registriert. Allerdings hatten wir auch alle Handys, mit denen wir anrufen und SMS schreiben konnten. Internetzugriff war dort nicht wirklich gegeben, und die wenigen, die einen hatten, konnten damit auch nicht viel anfangen. Was einfach dazu geführt hat, dass wir unsere Onlineaktivität nach Hause, an einen festen PC und auch mit Erlaubnis unserer Eltern verlegen mussten. Oft war die Zeit dann auf eine Stunde begrenzt, und danach ging es ins Bett. Heute ist das große Problem, dass diese ganzen Sachen aber sehr mobil geworden sind. Das bedeutet, dass Insta, Tiktok und Co. immer verfügbar sind und auch genauso genutzt werden. Internetflats sind zum teil schon komplett unbegrenzt oder so groß das es schwer ist diese wirklich zu verbrauchen. Dazu kommt das auch alles dabei ist egal ob Social Media, Games oder Serien. Alles ist Mobil verfügbar.
Der Gefahr bewusst werden
Nicht nur die Kinder und Jugendlichen müssen verstehen, wie das Ganze funktioniert, sondern auch wir Erwachsenen, Eltern, Lehrer, genauso wie ich. Wie reagiert das Gehirn auf dieses Dauerfeuer von Lichtern, Hooks, Reizen etc. Ich weiß nicht, wie diszipliniert ihr seid, aber sicher kennt ihr das doch auch, wenn ihr eine gute Serie guckt, dass ihr manchmal zu euch selber sagt: „Ach komm, eine Folge schaue ich noch“, weil es einfach gerade so spannend ist? Wir reden hier von 25-60 Minuten den wir nachgeben. Und jetzt muss man sich überlegen dass, das manchmal echt schwer sein kann oder nicht? Also wenn wir von den Kindern und Jugendlichen erwarten das sie diese Kontrolle aufbringen welche wir selber manchmal nachgeben. Aus diesem Grund halte ich es wirklich für Sinnvoll das wir Aufklärung in allen Bereichen durchführen. Wir müssen verstehen wie das Gehirn funktioniert. Auch müssen wir wissen wie diese ganzen Plattformen genau funktionieren






