Warum machen Multiplayerspiele so süchtig?

Gamingsucht bei Kindern: Warum Online-Spiele durch Dopamin, soziale Bindung, Flow und endlose Aufgaben so gefährlich sein können.
Sicherlich kennst du das Problem: Dein Kind kann sich kaum fünf Minuten auf die Hausaufgaben konzentrieren oder findet keine Ruhe, um für eine Prüfung zu lernen. Doch sobald es sich an die Konsole oder den PC setzt, ist es wie ausgewechselt. In diesem Beitrag erkläre ich dir, warum besonders Multiplayer-Spiele ein hohes Suchtpotenzial haben – und was sie so gefährlich macht.

Es gibt allgemein immer was zu tun.

Egal, über welchen Titel wir sprechen – die schiere Anzahl an Aufgaben und Missionen ist nahezu endlos.
Zu Beginn geht es oft darum, deinen Charakter zu leveln, bis er eine bestimmte Maximalstufe erreicht hat. Dabei kannst du dich meist in verschiedene Richtungen spezialisieren – ein Prozess, der viel Zeit und Energie kostet, weil der Weg dorthin oft sehr lang ist. Viele Spieler möchten außerdem mehrere Figuren hochspielen, um verschiedene Klassen und Fähigkeiten auszuprobieren, die das Spiel bietet.

Ein weiterer Punkt sind die Erfolge, die du sammeln kannst. Dafür müssen bestimmte Bedingungen erfüllt werden – zum Beispiel: „Erreiche Stufe XY“, „Besiege Gegner Z“ oder „Schaffe die Mission unter bestimmten Voraussetzungen“.

Später im Spiel geht es häufig darum, besondere Ausrüstung zu sammeln. Das kostet oft viel Zeit, weil diese Gegenstände an zeitliche oder wöchentliche Grenzen gebunden sind. Diese Gegenstände sind sehr selten, und oft gibt es mehrere Leute, die Anspruch darauf erheben. Deshalb würfeln die Spieler meistens noch um die Gegenstände.

Es gibt aber auch noch das System, bei dem ein anderer Spieler – meistens der Leiter – entscheidet, wer das Teil bekommt. Sicher ist nur: Beide Versionen können zu Frust führen oder das Dopamin stark in die Höhe schießen lassen.

Tägliche und Wöchentliche Aufgaben

Nicht zu vergessen sind die sogenannten täglichen oder wöchentlichen Aufgaben. Wie der Name schon sagt, handelt es sich um Missionen, die du jeden Tag oder jede Woche erledigen kannst – oder sogar musst –, um bestimmte Belohnungen zu erhalten oder neue Inhalte freizuschalten.

Die wöchentlichen Aufgaben sind meist anspruchsvoller, dauern länger, bieten aber auch bessere Belohnungen. Hierbei geht es oft darum, bestimmte Sachen zu sammeln, die einem am Ende etwas Gutes geben, wenn man mehrere davon abgibt. Oder es steigert den Ruf bei einer bestimmten Fraktion, die ab einer höheren Vertrauensstufe bestimmte Gegenstände verkauft.

Viele Spiele beinhalten zusätzlich Dungeons, Verliese, Raids oder PvP-Modi (Spieler gegen Spieler).
Und genau damit kommen wir auch schon zum nächsten Thema …

Die Soziale Aspekt

Multiplayer-Spiele leben in der Regel davon, dass bestimmte Inhalte nur gemeinsam erreicht werden können. Dafür schließen sich Spieler häufig zu Gruppen, Schlachtzügen, Gilden oder Clans zusammen, um dauerhaft mit anderen zu spielen. Die ersten beiden Varianten sind meist zeitlich begrenzt und lösen sich nach Erreichen des Ziels wieder auf. Gilden und Clans hingegen bestehen dauerhaft. Oft erkennt man die Zugehörigkeit daran, dass das Spiel den Namen der Gemeinschaft über dem Charakter anzeigt – ein Symbol für Zusammenhalt und Identität. Viele Spiele bieten heute integrierte Sprachtools, über die man direkt im Spiel kommunizieren kann. Häufig nutzen Spieler aber auch externe Plattformen, die Entwickler speziell dafür geschaffen haben, miteinander zu schreiben und zu sprechen – selbst dann, wenn man gar nicht im Spiel ist

Das Gefährliche daran ist, dass sich solche Gemeinschaften leicht zu einer Art sozialem Ersatz entwickeln können. Man erreicht gemeinsam Ziele, hat bestimmte Rollen in der Gruppe oder sogar feste Aufgaben. Dadurch entsteht ein starkes Zugehörigkeitsgefühl – und man ist theoretisch rund um die Uhr erreichbar. Schon in der Schule oder auf der Arbeit werden über das Handy Pläne für den Abend geschmiedet. Diese ständige Verfügbarkeit kann schnell dazu führen, dass reale Kontakte vernachlässigt werden. Die Online-Freunde fühlen sich wie echte Freunde an – und ersetzen sie mit der Zeit manchmal sogar.

Der Flow-Zustand

Vielleicht hast du deinem Kind schon einmal gesagt, es solle die Konsole ausschalten – und dann kam nur der Satz:
„Bitte noch eine Runde!“.
Stunden später sitzt es immer noch davor und zeigt eine Konzentration, die du so noch nie erlebt hast? Das nennt man den Flow-Zustand. In diesem Moment arbeiten Aufmerksamkeit, Motivation und das Belohnungssystem perfekt zusammen.

Eine besonders große Rolle spielt dabei Dopamin – ein Botenstoff, den wir „Erwartungshormon“ nennen und der die Gefahr für Gamingsucht bei Kindern massiv verstärkt. (Lies hier gerne meinen Bericht zu Dopamin, dem Hauptakteur bei Sucht, nach: https://denknavi.de/dopamin-der-hauptakteur-bei-sucht/

Ein weiterer wichtiger Punkt ist der sogenannte Near-Miss-Effekt. Dabei ist man ganz kurz davor, ein Ziel zu erreichen – was die Motivation enorm steigert und dazu führt, dass man es unbedingt noch einmal versuchen will. Das Gefühl, „es fast geschafft zu haben“, aktiviert im Gehirn bereits das Belohnungssystem, selbst wenn man tatsächlich gar nichts gewonnen oder erreicht hat.

Wichtig zu wissen: Spiele sind gezielt so designt, dass genau diese Effekte bei uns ausgelöst werden.
Es gibt ständig kleine Belohnungen, sichtbare Fortschritte (z. B. Levelaufstiege) sowie akustische und visuelle Reize – etwa Sounds oder Animationen, die beim Erreichen bestimmter Meilensteine abgespielt werden. Diese sorgen für eine emotionale Rückmeldung und verstärken das positive Gefühl. Auch der soziale Aspekt spielt eine große Rolle: Wenn andere den eigenen Erfolg sehen können, steigt die Motivation zusätzlich.

Und schließlich kommt noch die Verlustaversion hinzu – also die Angst, etwas zu verlieren. Wenn du im Spiel zum Beispiel zeitlich begrenzte Belohnungen hast, willst du diese oft „noch schnell“ nutzen, bevor sie verfallen. Aus den geplanten 30 Minuten werden so ganz leicht mehrere Stunden.

Fazit

Multiplayer-Spiele sind grundsätzlich eine tolle Freizeitbeschäftigung, aber sie bergen viele Gefahren, für Gamingsucht bei Kindern und das diese in eine Abhängigkeit rutschen. Sei es durch die Anzahl der Charaktere, die man erstellen kann, oder durch die unzähligen Aufgaben, die es zu erfüllen gibt. Auch der soziale Aspekt und der Einfluss auf Kinder und Jugendliche sind hierbei nicht zu verachten und können eine sehr große Gefahr darstellen.

Am sichersten ist es, wenn das Ganze kontrolliert abläuft: feste Zeiten zum Spielen und das immer wieder bewusste Vermitteln, dass es auch noch andere Dinge im Leben gibt als Spiel XY. Würde man den Sprössling komplett machen lassen, hätte dieser nämlich kein Problem damit, 20 Stunden damit zu verbringen und die Zeit mit anderen Leuten zu teilen, die er als seine Freunde bezeichnet.

Wenn ihr noch mehr wissen wollt könnt ihr gerne auf diesen Externenlinks auf anderen Internetseiten. https://www.giga.de/games/wenn-ihr-eure-freunde-schreien-hoeren-wollt-ist-dieses-neue-koop-spiel-ein-muss-fuer-eure-steam-bibliothek–01KBZE22ZFWF6D0TGG8ADYCEBK