Dopamin-der Hauptakteur bei Sucht.

Ihr kennt das sicher von euch selbst, dass ihr etwas im Fernsehen seht, Zeit auf Social Media verbringt oder auch nur ein paar Berichte lest – und einfach nicht mehr davon loskommt. Ich kann euch gleich sagen: Das liegt nicht einmal an euch selbst, sondern an eurem Gehirn.

Wie funktioniert Dopamin?

Fälschlicherweise glauben viele Menschen bis heute, dass Dopamin das Glückshormon ist, welches dafür verantwortlich ist, dass wir so sehr nach bestimmten Suchtstoffen und Verhaltensweisen verlangen. Allerdings muss man sich das Ganze anders vorstellen. Dopamin gibt uns nicht den Kick, wenn etwas passiert, sondern davor. Der Botenstoff wird bereits dann ausgeschüttet, wenn wir etwas erwarten. Mit diesem Wissen lassen sich sehr viele Verhaltensweisen erklären:

Videos

Die meisten Videos beginnen unspektakulär, aber oft gepaart mit einer Frage wie: „Wusstet ihr das …?“ oder „Habt ihr schon mal gesehen, wie …?“. In diesem Moment sind wir bereits fixiert, selbst wenn uns gewisse Themen nicht einmal im Ansatz interessieren. Wir gehen in diesem Moment in eine Erwartungshaltung und schauen weiter.

Genau so funktioniert das auch beim Scrollen. Wir befinden uns durchweg in der Situation, dass wir darauf warten, dass gleich ein „spannendes Video“ kommt, welches wir ggf. teilen, abspeichern etc.

Serien und Filme

Hier läuft das ganze Prinzip recht ähnlich ab. Spannende Szenen werden oft schon vorab angekündigt – durch Musik, die Szenerie selbst oder einfach dadurch, wie der Held sich verhält. Wenn er sich in einem Actionfilm mit Waffen und anderem Equipment ausrüstet, gehen wir grundsätzlich nicht davon aus, dass die nächste Szene zeigen wird, wie er mit seinen Freunden im Restaurant sitzt und von seinem Wochenende erzählt.

Spiele

Es kommt darauf an, von welchem Spiel wir reden. Wenn es um ein storylastiges Game geht, haben wir das gleiche Konzept wie bei Serien oder Videos. Wir erwarten immer diese eine spannende Stelle, den Wendepunkt. Wobei hier in der Regel auch schon das Erkunden und Erforschen selbst wirkt – selbst wenn das Spiel einen vorgegebenen Weg hat.

Wir haben hier das Phänomen, dass wir selber nicht nur Zuschauer, sondern auch Akteure sind. Und besonders stark ist es bei Onlinespielen. Dazu findet ihr aber einen ausführlicheren Bericht auf meiner Seite: https://denknavi.de/wp-admin/post.php?post=67&action=edit

Motivation ⚡, Belohnung 🎁, Lernen 📚, Bewegung 🏃

Der Biologische Ablauf

Dopamin ist ein Botenstoff, der in alltäglichen Situationen ausgeschüttet wird. So ist er bereits aktiv, wenn wir Hunger haben und uns auf etwas zu essen freuen. Auch bei Bewegung spielt er eine sehr große Rolle. Das liegt daran, dass er für Motivation verantwortlich ist und durch Sport eine Befriedigung erlebt.

Jetzt ist aber das ganz große Problem, dass Verhaltenssüchte viel stärker wirken als die normale Ausschüttung. Dadurch entsteht ein Teufelskreis, der immer schwerer zu durchbrechen ist. Und schon beginnt dieser Teufelskreis.

Drei Schritte in die Sucht

Schritt 1.

Künstliche Dopaminspritze:
Verhaltenssüchte wie Gaming, Social Media oder auch Glücksspiel lösen eine sehr starke Dopaminausschüttung aus. Diese ist stärker als jene, die wir durch Essen, soziale Anerkennung oder Erfolg wahrnehmen. Wobei man hier auch erwähnen muss, dass sowohl beim Gaming als auch beim Glücksspiel Erfolg ein Bestandteil ist, der überhaupt dafür sorgt, dass wir dranbleiben. Bei Social Media ebenfalls, aber nicht ganz so stark.

Schritt 2.

Die Dopaminrezeptoren werden reduziert, normale Aktivitäten machen weniger Spaß und man benötigt länger, um in diese hineinzufinden. Der natürliche Reiz muss viel stärker sein, um das gleiche Erlebnis zu verspüren. Das Gehirn entwickelt dadurch künstlich eine Toleranz gegenüber der Dopaminausschüttung bei normalen Aktivitäten.

Schritt 3.

In dieser Stufe werden Selbstkontrolle und Entscheidungsfähigkeit geschwächt. Handlungen erfolgen nun fast automatisch und werden vom Gehirn gesteuert (der Griff nach dem Handy, das Starten eines Spiels etc.).

Anders gesagt: Man erwartet eine Belohnung, das Verlangen wird zu einem Zwang. Und dieser führt direkt in die Sucht, weil man immer mehr benötigt, um die gleiche Befriedigung zu verspüren. Normale Aktivitäten machen überhaupt keinen Spaß mehr. Sie werden nur noch als notwendiges Übel wahrgenommen, bis es schließlich zum Schwänzen der Schule oder zum Fehlen auf der Arbeit kommt.

Veränderung im Gehirn durch die chronische Sucht

Nucleus accumbens

Nucleus accumbens

Als Erstes haben wir hier den sogenannten Nucleus accumbens – auf Deutsch so viel wie der „Anschmiegkern“. Es handelt sich hierbei um einen Teil der Basalganglien, die für Belohnung und somit auch für Sucht verantwortlich sind. Er beginnt, extrem empfindlich auf Reize zu reagieren und erzeugt dadurch ein starkes Verlangen.

Beispiel:
Man will nur kurz auf das Handy schauen, um die Uhrzeit zu prüfen, sieht oben in der Leiste, dass es drei neue Nachrichten gibt – und schon packt einen die Neugier. Man schaut kurz nach und findet sich eine Stunde später auf Social Media wieder.

Präfrontale Kortex

Präfrontaler Kortex

Der präfrontale Kortex verliert immer mehr an Aktivität, was dafür sorgt, dass wir die Kontrolle verlieren und stärker nach Impulsen handeln.

Beispiel:
Man muss etwas für Schule, Arbeit oder Ausbildung lesen, und auf dem Tisch liegt das Handy. Die Gefahr, danach zu greifen, ist sehr hoch, da dies impulsiv passiert – ohne rational darüber nachzudenken.

Amygdala

Die Amygdala reagiert sehr stark auf Reize, was dazu führt, dass Trigger ein starkes Verlangen auslösen.

Beispiel:
Bleiben wir beim Handy auf dem Tisch. Es vibriert = Trigger. Das kann schon die tägliche Wettervorhersage sein. Dann greift wieder der präfrontale Kortex, und wir hängen erneut eine Stunde am Gerät.

Hippocampus

Der Hippocampus verstärkt Erinnerungen an Reize, wodurch die Sucht tief verankert wird.

Beispiel:
Ein Kumpel schickt ein Video, das man sich anschauen soll. Dieses Video stammt von einem Creator, den man lange nicht mehr verfolgt hat. Man erinnert sich daran, wie lustig man ihn früher fand, und schaut, was er inzwischen macht – und auch hier ist schnell wieder eine Stunde vergangen.

Fazit

Bei Dopamin handelt es sich nicht um ein Glückshormon, sondern um einen zentralen Botenstoff, der für Motivation und Erwartung zuständig ist. Deshalb spielt er eine so große Rolle bei der Entstehung von Sucht. Künstliche Reize wie Social Media, Gaming und andere Medien überfordern unser Belohnungssystem. Das führt dazu, dass normale Aktivitäten – wie zum Beispiel Sport – weniger Spaß machen und an Reiz verlieren.

Man kann also sagen: Sucht entsteht nicht aus Willensschwäche, sondern aus messbaren Veränderungen im Gehirn.