Warum sich junge Menschen in Social Media, Games & digitale Welten flüchten

Unsere Welt wird immer schneller, immer komplexer, die Erwartungen steigen von Tag zu Tag. Was dazu führt das jungen Menschen sich immer tiefer in Digitale Zwischenwelten flüchten. Einfach weil ihnen hier Kontrolle, Zugehörigkeit und Ablenkung vermittelt wird. Doch wie genau es dazu kommt erkläre ich euch in diesem Beitrag.

Neuropsychologische Ebene

Man kann sagen das unser menschliches Gehirn auf Belohnungen programmiert ist. Im Kern auf den Botenstoff Dopamin. Hier könnt ihr einmal nachlesen welchen Einfluss Dopamin auf unser Gehirn und die Sucht hat: Dopamin-der Hauptakteur bei Sucht. – Psychologie & Medien verstehen mit Denknavi. Dabei ist der Neurotransmitter nicht auf das Glück selbst programmiert sondern auf die Motivation und Erwartung. Welche wir oft an uns selber stellen. Dazu zählt jede noch so kleine „Belohnung“ sei es ein Like, ein Level-Up, ein Kommentar egal was. Alles löst einen kurzen Dopamin-Impuls aus. Dadurch das viele von diesen unvorhersehbar sind führt das zu einer variablen Verstärkung – das gleichen Prinzip wie beim Glücksspiel. Mit anderen Worten Social Media und Games funktionieren wie ein digitaler Spielautomat welcher jedoch mit Sozialen und Virtuellen Belohnungen winkt statt mit Geld. Das ganze führt dann dazu das die jungen Menschen in eine Art Sog gezogen werden. Sie erleben Kontrolle sowie Erfolg da wo der Alltag versagt. Sie fühlen sich als aktives Mitglied obwohl sie eigentlich nur reagieren. Und das Feedback welches sie Online erhalten ist so viel schneller als im Echten leben.

Test

Emotionale Ebene

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stehen heutzutage unter einem enormen Leistungsdruck, Schule, Studium. Job, Zukunftsängste sowie Klimathemen und politische Unsicherheit, gepaart mit persönlichen Problemen Anschluss zu finden oder einen sicheren Platz in der Welt. Auf der anderen Seite vermittelt Social Media den jungen Menschen auch das „die Anderen“ immer mehr schaffen das sie. Das diese besser sind größer, toller das sie sich übertrieben gesagt: einen Traumkörper, 3 Startups, ne Social-Media- Präsenz aufgebaut hab. Das ganze führt dann zu chronischen Stress und das Gefühl nicht dazu zu gehören. An dieser Stelle wird es nun paradox den genau in dieser Situation suchen sie einen Ausgleich. Ausgerechnet diesen glauben sie in social Media zu finden. Es bietet eine sofortige Ablenkung, das Gefühl von Zugehörigkeit und eine Illusion von Kontrolle welche durch liken, kommentieren und teilen gegeben ist. Bei den Spielen hingegen gibt es klare Erfolgserlebnisse. (Levels und Erfolge, Beute sowie Errungenschaften), es gibt eine gewisse Sicherheit das man sich in einer Welt befindet die klar berechenbar ist. Zudem findet man dort Gemeinschaften ohne soziale Unsicherheiten.
Anders gesagt: Die Digitale Welt erzeugt die Illusion einer geordneten und vollkommenden Welt. Da wo die Realität versagt und das Gefühl von Chaos erzeugt.

Die Soziale Ebene

Obwohl die jungen Menschen regelmäßig online sind fühlen sie sich sozial isoliert. Familienstrukturen sind ganz besonders in der Pubertät sehr oft angespannt. Echte Freundschaften lassen sich nur sehr schwer aufbauen. Und in andere Gruppen unterzukommen ist für manche unvorstellbar, besonders seit der Corona-Pandemie sind diese Probleme noch stärker geworden. Das ganze führt dazu das die digitale Welt zum sozialen Ersatzraum wird. Discord-Server ersetzen dabei die Cliquen, Online-Gilden werden zur Ersatzfamilie und Likes, Follows sowie Kommentare ersetzen die soziale Anerkennung. Eins der großen Probleme: Diese Beziehungen sind oft sehr instabil und oberflächlich. Werden jedoch von dem Gehirn als sozial relevant eingestuft, wodurch der Dopaminfluss angekurbelt wird.

Die gesellschaftliche Ebene

Die heutige Gesellschaft vermittelt den jungen Menschen widersprüchliche Botschaften. Sie sollen Individuelle und authentisch sein auf der anderen Seite aber perfekt funktionieren und gefiltert sein, also keine schwerwiegenden Fehler haben. Auch sollen sie Erfolge vorweisen können und nach einer Karriere streben aber gleichzeitig bescheiden und bedacht bleiben. Das ganze führt dann dazu das es zu einer kognitiven Unstimmigkeit kommt, was das unangenehme Gefühl auslöst nicht das zu sein was man vorgibt zu sein. Und genau hier hilft Social Media diesen Widerspruch zu kompensieren. Man kann sich oder seine Fähigkeiten darstellen ohne sich zeigen zu müssen. In den Spielen ist das ganze sogar noch viel stärker. Hier taucht man in eine Welt ab in der man nicht nur anonym jemand ganz anders sein kann, sondern auch gleichzeitig verschiedenen Identitäten ausprobieren kann. In den meistens Spielen ist es nämlich möglich mehrere Charaktere zu spielen und sich somit sogar verschiedene Persönlichkeiten aufzubauen. Durch die Rollenübernahme welche man aber in so einen Spiel erhalten kann, Z.B. ein guter Heiler eine festen Gruppe zu sein bekommt man plötzlich einen Sinn und eine Verantwortung welche im echten Leben oft gefühlt ausbleibt.

Die Schattenseite: Wenn die Flucht zur Falle wird.

In den meisten Fällen beginnt das ganze recht harmlos. Junge Menschen fühlen sich nicht dazugehörig, finden keinen Anschluss an Gruppen oder die Gesellschaft und flüchten sich dann in eine andere Welt was anfänglich ein gutes Gefühl auslöst wird schnell zu einer erklärbaren Abhängigkeit wird. Dopaminabstumpfung: Das Gehirn gewöhnt sich schnell an die Reize welche diese Welten in den jungen Leuten auslösen. Wodurch sie immer mehr und mehr brauchen für das gleiche Gefühl. Auf lange Zeit führt das ganze zu folgenden Problemen: Die Konzentration lässt massiv nach es fehlt der Antrieb für jegliche andere Aktivitäten und Verpflichtungen. Sozial wird sich immer mehr von allem abgeschottet und es kommt zu dem Gefühl der inneren Leere. Das größte Problem: Die Betroffenen merken noch nicht einmal das sie flüchten. Das sie das Gefühl haben das sie produktiv sind und was erreichen und gleichzeitig soziale Unterwegs sind.

Fazit

Besonders junge Menschen sind heute ständig auf der Suche nach einen Platz in der Welt. Leistungsdruck durch Gesellschaft, Familie und Freunde können dabei zu einem echten Problem werden. Ein so großes Problem das sie versuchen sich in virtuelle Realitäten zu flüchten wo ihnen entweder vorgegaukelt wird das ein Leben auch perfekt sein kann. Oder sie aber auch jemand sein können zu dem man aufschaut. Das Ganze führt dann dazu das sie sich immer weiter in diese Welten zurück ziehen und den Anschluss an die Realität völlig verlieren. Probleme vertiefen sich dadurch immer weiter und ziehen sie immer tiefer in den Abgrund aus dem sie später nicht mehr raus können. Alleine weil sich mit der Zeit auch eine Art Angst vor der Realität entwickeln wird. In einer Community in einem Spiel oder auf Social Media ist man jemand. Jemand von Bedeutung mit einer wichtigen Rolle. Aber im Echten Leben ist man einer von vielen wo man sich erstmal durchsetzen muss den für die Ziele und die Anerkennung muss man wirklich arbeiten als die vorgegebene Mechanik auswendig zu lernen.